So wird aus Verbrauch und Preis eine Jahresrechnung
Jeder deutsche Stromtarif besteht aus genau zwei Preisbestandteilen. Der Arbeitspreis wird in Cent je Kilowattstunde abgerechnet und steigt linear mit Ihrem Verbrauch. Der Grundpreis ist ein fester Betrag pro Monat, der unabhängig davon anfällt, ob Sie viel oder wenig verbrauchen. Beide Werte enthalten in Haushaltstarifen bereits Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen.
Die Formel lautet: Jahreskosten = Verbrauch in kWh × Arbeitspreis in € je kWh + Grundpreis × 12. Bei 3.500 kWh, 34,5 ct/kWh und 13,50 € Grundpreis ergibt das 1.207,50 € plus 162,00 €, also rund 1.370 € im Jahr. Wechseln Sie in einen Tarif mit 28,9 ct/kWh und 11,90 € Grundpreis, sinken die Kosten auf etwa 1.154 € – eine Ersparnis von rund 216 € auch ohne jeden Bonus.
Warum der Grundpreis bei kleinem Verbrauch entscheidet
Je kleiner der Haushalt, desto stärker wiegt der Grundpreis. Ein Single-Haushalt mit 1.500 kWh zahlt bei 15 € Grundpreis 180 € im Jahr allein für die Bereitstellung – das sind umgerechnet 12 ct/kWh zusätzlich. Ein Vier-Personen-Haushalt mit 4.500 kWh verteilt denselben Betrag auf dreimal so viele Kilowattstunden und spürt ihn kaum. Vergleichen Sie deshalb nie nur den Arbeitspreis, sondern immer die Jahresgesamtkosten für Ihren tatsächlichen Verbrauch.
Umgekehrt lohnt sich bei sehr hohem Verbrauch – etwa mit Wärmepumpe oder Wallbox – ein Tarif mit höherem Grundpreis, wenn der Arbeitspreis dafür spürbar niedriger liegt. Schon 1 ct/kWh Unterschied macht bei 8.000 kWh 80 € im Jahr aus.
Typische Verbrauchswerte als Orientierung
Die im Rechner hinterlegten Startwerte orientieren sich an gängigen Bandbreiten für deutsche Haushalte: rund 1.500 kWh für eine Person in der Wohnung, etwa 2.200 kWh für zwei Personen, ungefähr 3.000 bis 3.500 kWh für drei bis vier Personen. Im Einfamilienhaus liegen die Werte typischerweise 600 bis 900 kWh höher, weil Außenbeleuchtung, Heizungspumpe, Garage und häufig ein zweiter Kühlschrank hinzukommen.
Elektrische Warmwasserbereitung schlägt mit etwa 700 bis 800 kWh je Person zu Buche. Eine Wärmepumpe benötigt je nach Gebäudezustand rund 2.500 bis 5.000 kWh, ein E-Auto bei 12.000 Jahreskilometern und 18–20 kWh je 100 km etwa 2.200 bis 2.500 kWh. Diese Zuschläge sind im Rechner als Pauschalen hinterlegt und lassen sich durch Eingabe des tatsächlichen Zählerwerts jederzeit übersteuern.
Bonus richtig bewerten
Ein Neukundenbonus senkt ausschließlich das erste Vertragsjahr. Tarife mit sehr hohem Bonus und gleichzeitig hohem Arbeitspreis rutschen ab dem zweiten Jahr oft über das Niveau des alten Vertrags. Prüfen Sie deshalb die im Rechner separat ausgewiesene Zeile „Folgejahr ohne Bonus“: Nur wenn dieser Wert unter Ihren heutigen Kosten liegt, ist der Wechsel dauerhaft günstig. Andernfalls sollten Sie den Vertrag rechtzeitig zum Ende der Erstlaufzeit erneut prüfen.
Häufige Fragen
Wie genau ist die Verbrauchsschätzung des Rechners?
Die Schätzung basiert auf typischen Verbrauchswerten deutscher Haushalte nach Personenzahl und Wohnform sowie auf Zuschlägen für Großverbraucher wie Wärmepumpe, E-Auto oder elektrische Warmwasserbereitung. Sie ersetzt keine Ablesung: Der genaueste Wert steht auf Ihrer letzten Jahresabrechnung unter „Verbrauch in kWh“. Nutzen Sie die Schätzung, wenn keine Abrechnung vorliegt, etwa nach einem Umzug.
Welchen Arbeits- und Grundpreis soll ich eintragen?
Beide Werte stehen auf Ihrer Stromrechnung. Der Arbeitspreis wird in ct/kWh angegeben, der Grundpreis als monatlicher oder jährlicher Betrag in Euro. Tragen Sie die Bruttowerte inklusive Umsatzsteuer ein, damit das Ergebnis mit Ihrer Abrechnung vergleichbar bleibt.
Warum weicht mein Abschlag von den berechneten Jahreskosten ab?
Der monatliche Abschlag ist eine Vorauszahlung, die Ihr Anbieter auf Basis eines prognostizierten Verbrauchs festlegt. Liegt Ihr tatsächlicher Verbrauch darunter, erhalten Sie eine Rückzahlung, liegt er darüber, kommt es zur Nachzahlung. Der Rechner zeigt die reinen Jahreskosten ohne Abschlagslogik.
Ist ein Bonus im ersten Jahr in der Rechnung enthalten?
Nur wenn Sie ihn eintragen. Neukunden- und Sofortboni senken ausschließlich die Kosten des ersten Vertragsjahres. Für eine faire Einschätzung sollten Sie deshalb immer auch die Kosten ohne Bonus betrachten – der Rechner weist beide Werte aus.
Quellen & Stand
- Bundesnetzagentur – Monitoringberichte und Strompreisdaten
- SMARD – Strommarktdaten der Bundesnetzagentur
- Verbraucherzentrale – Stromverbrauch und Anbieterwechsel
Zuletzt redaktionell geprüft: August 2026. Alle Preisangaben sind Marktschätzungen und keine verbindlichen Angebote.
